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Jedermann‑Zehnkampf in Bad Nauheim mit japanischem Esprit

Der 32. Jedermann‑Zehnkampf 2026 im Waldstadion Bad Nauheim war wieder genau das, was ihn seit Jahrzehnten ausmacht: ein farbenfrohes, kraftvolles und zutiefst menschliches Mehrkampf‑Fest, getragen von Leidenschaft, Gemeinschaft und einem Hauch internationalen Flairs. 122 Athletinnen und Athleten aus 31 Vereinen stellten sich der Herausforderung – und mittendrin fünf Studenten der Teikyo University of Science aus Japan sowie ein Belgier vom AVT Hasselt, die dem Wochenende eine besondere, fast feierliche internationale Note verliehen.

Über weite Strecken zeigte sich das Waldstadion von seiner besten Seite, ehe am Sonntagnachmittag der Regen wie eine graue Wand über die Bahn zog. Doch wer den Jedermann‑Zehnkampf kennt, weiß: Unsere Zehnkämpferinnen und Zehnkämpfer lassen sich davon nicht bremsen. Mit Humor, Herz und einer beeindruckenden Portion Entschlossenheit brachten alle ihren Wettkampf zu Ende. Nur die traditionelle Siegerehrung im Halbrund musste entfallen – ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten strahlenden Wochenende. Die begehrten Wanderpokale gingen an den LAV Gau‑Algesheim, den LSC Bad Nauheim und den SV Monheim.

Der erste Tag begann mit Tempo und Präzision: Lennart Wehrum (Gießen) eröffnete den Wettkampf mit flinken 11,68 s über 100 m, während Yvonne Vogel (Rendel) mit 13,17 s die schnellste Frauenzeit markierte. In den Sprungdisziplinen setzten Johannes Koutsos (Okriftel) mit 6,17 m und Lena Sonnabend (LC Olympia Lorsch) mit 4,76 m die Akzente.

Der stärkste Zehnkämpfer des Wochenendes war Thomas Stewens (TSV Dortelweil), der mit 7.251 Punkten dominierte und zugleich die besten Würfe im Kugelstoßen (13,62 m) und Diskuswurf (43,31 m) erzielte. Bei den Frauen glänzte Maria Hercek (Rendel) mit 10,55 m im Kugelstoßen, während Kornelia Wrzesniok (Neu‑Isenburg) mit 5.630 Punkten die Gesamtwertung anführte.

Im Hochsprung meisterten Maurice Joel Schwarze, Nick Palkovitsch, Akira Ito und Mark Michalik gemeinsam die Besthöhe von 1,70 m, während Yvonne Vogel mit 1,50 m erneut herausragte. Der 400‑m‑Lauf beschloss den ersten Tag mit starken Zeiten: Tim Dillemuth (Friedberg) in 52,18 s und abermals Yvonne Vogel in 60,48 s. In der Paarwertung triumphierten Bernd Lachmann und Christina Häberlin (Friedberg) mit 6.546 Punkten – ein echtes Team‑Highlight.

Der zweite Tag begann mit Rhythmus und Präzision über die Hürden. Lennart Wehrum war über 110 m mit 16,02 s erneut das Maß der Dinge, während Marie Kohrmann (Gießen) mit 16,47 s die schnellste 100‑m‑Hürdenzeit der Frauen lief und Marc Michalik mit 15,33 s die Männerwertung anführte. Auf der 80‑m‑Hürdenstrecke glänzte die jüngste Athletin des gesamten Feldes: Sarah Pompetzki mit 14,34 s, nur knapp hinter Ian Schmidt (beide Bad Nauheim) mit 14,31 s.

Im Diskuswurf setzte Jasmin Strohwasser (Friedberg) mit 28,85 m ein strahlendes Ausrufezeichen und zeigte sich zugleich als beste Stabhochspringerin mit 2,90 m. Den Stabhochsprung der Männer dominierte Marc Michalik, der trotz strömenden Regens beeindruckende 3,70 m meisterte. Im Speerwurf setzte David Spriewald (Ahrweiler) mit 43,84 m die Bestweite, während die jugendliche Saida Cakovic (Schlüchtern) mit 37,17 m die Frauenwertung anführte.

Der abschließende 1.500‑m‑Lauf wurde zur epischen Wasserschlacht – und genau dort zeigte sich noch einmal der ganze Geist dieses Wochenendes: Leandro Baumann lief mit 4:39,96 min die schnellste Männerzeit, Daniela Eisfeld (Oberursel) mit 5:34,34 min die beste Frauenzeit. Beide kämpften sich durch Regen, Wind und Pfützen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Am Ende stand ein Zehnkampf, der trotz Regen, trotz ausgefallener Siegerehrung und trotz aller Widrigkeiten ein strahlendes Beispiel dafür war, wie viel Herz, Humor und Hingabe in diesem Format steckt. Athletinnen und Athleten, Helferinnen und Helfer sowie die Organisatoren blickten mit einem lächelnd‑zwinkernden Auge auf ein Wochenende zurück, das Bad Nauheim einmal mehr zum Treffpunkt der Zehnkampf‑Gemeinschaft machte – verbunden mit der Hoffnung, 2027 wiederzukehren, dann vielleicht unter blauem Himmel, um erneut gemeinsam die Herausforderung Zehnkampf zu feiern. Und vielleicht erneut mit Weltrekordambition in der Altersklasse M60…

Harry Weisskirchen
16.09.2026